18. Stuttgarter Wissensforum

Kennt ihr das, wenn ihr durch Zufall auf einem guten Event landet? So ging es mir gestern. Vor einigen Wochen oder Monaten fragte mich unsere Marketingchefin, ob ich nicht Lust hätte mit ihr zum 18. Stuttgarter Wissensforum zu fahren. Der Titel klang erst mal ein bisschen langweilig. Kein Hinweis auf ein cooles Barcamp. Kein trendiger englischer Name. Kein hipper Kunstname. Aber hey! Matthew Mockridge als Speaker – der liefert an sich immer gute Impulse. Der Rest der Speaker und Themen klang auch gut. Günstig war der Event obendrein. Der Entschluss hinzugehen, war definitiv ein guter.

Bevor ich euch meine Höhepunkte schildere, vorab ein paar Fakten: ein schöner Veranstaltungsort, 10 Stunden Event, 18 Speaker, 3500 Teilnehmer.

Meine Höhepunkte waren Jens Corssen, Matthew Mockridge, Karl-Heinz Land und Felix Finkbeiner.

Jens Corssen: „Der Selbstentwickler – erfolgreicher Umgang mit anderen“

War sein Auftritt spektakulär? Eher nicht. Sein spektakulärster „Move“ war, dass er auf einem Stuhl stand. Da war „Hermann Scherer“, der uns teilweise den Steve Balmer gab, spektakulärer. Oder Philipp Keil, der uns eindrucksvoll am Leben eines Piloten und der Notwasserung von Flug 1549 teilhaben ließ. Er schaffte es, das Auditorium teilweise so zu beeindrucken, dass es komplett still war.

Nachhaltigen Eindruck hat aber keiner dieser Vorträge auf mich gemacht. Marketing ist ein nettes Thema, aber (aktuell) nicht das meine. Entscheidungsfreude und Mut zum Bauchgefühl hat mir mein vorheriger Chef deutlich besser vermittelt als Philipp Keil.

Jens Corssen hat mich hingegen erreicht. Er hat mich zum Nachdenken gebracht. Und seine Energie und positive Ausstrahlung, er ist immerhin 77, hat mich beeindruckt.

OK, der Titel des Vortrags wird euch sicher auch denken lassen: „Jesses, der nächste Selbst-Optimierer, der mir 3 Schritte zu mehr Erfolg verkaufen will.“ Jedenfalls ging es mir so. Obendrein klang der freundliche ältere Herr auf der Bühne auch ein bisschen nach Esoterik zu Beginn seines Vortrags.

Das änderte sich im Laufe seines Vortrags. Er hatte etwas zu sagen. Er verdeutlichte, dass man mit Optimierung nichts Entscheidendes erreichen kann, sondern nur durch die Änderung der eigenen Haltung zum Leben.

Sein Credo ist, dass wir oftmals trotz Kompetenz und Ehrgeiz nicht erfolgreich sind, weil wir im Dauerclinch mit den Situationen des Lebens liegen. Wir stehen uns praktisch selbst im Weg mit unserem mechanischem Zetern, Jammern und Ankämpfen. Dem hält er die gehobene Gestimmtheit entgegen, die uns aktiv den Fluss des Lebens annehmen lässt und zu besseren Ergebnissen und Zufriedenheit führt.

Damit zahlt er natürlich sehr stark auf die Mindset-Karte ein, denn jedem von uns ist klar sein, dass man nur durch eine andere Denkweise erfolgreich in der aktuellen Transformation bestehen kann. Seine Botschaft hat auch ein bisschen was von Napoleon Hill und seiner Positive-Mental-Attitude, die ich schon immer versuche zu leben.

Da ich bisher nur einen 40 Minuten Vortrag und das folgende YouTube-Video dazu gesehen habe, mag das ein falscher Schluss sein. In jedem Fall hat er mich erreicht, zum Nachdenken gebracht und damit alles erreicht, was einen guten Vortrag auszeichnet.

Felix Finkbeiner von plant-for-the-planet

Eigentlich war es kein richtiger Vortrag, sondern ein Interview zu Beginn der Veranstaltung, da sich die Veranstalter dazu entschlossen haben, die Organisation plant for the planet zu unterstützen.

Es muss einen beeindrucken, wenn ein 22-jähriger eine Organisation vorstellt, die er vor 13 Jahren in der Grundschule gegründet hat, um die Welt zu retten und die nun weltweit aktiv ist. Mich beeindruckt das mehr als jeder Startup-Gründer.

Felix Finkbeiner hat in einer solch positiven und eloquenten Art und Weise über seine Organisation berichtet. Leute wie Felix Finkbeiner, Greta Thumberg und all die anderen sollten uns allen Mut machen. Sie können und wollen etwas bewegen, wo wir alten Leute oftmals versagen.

Matthew Mockridge: „Next Generation Leadership“

Matthew Mockridge ist ein Speaker der eigentlich mich immer erreicht. Dieses Mal war sein Thema Führung. Eine perfekte Grundlage für einen Vortrag, der mir gefällt. Und das hat er, auch wenn ich glaube, dass Mockridge in einem kleineren Umfeld besser funktioniert und vielleicht auch nicht als letzter Speaker am Abend. Aber zurück zum Vortrag.

Es ging um Führung und was man tun muss, um erfolgreich Teams zu führen. Er fokussierte sich stark auf Gen Y und Gen Z, aber eigentlich funktioniert das, was er vorstellte, mit jeder Generation. Im Kern ging es um Servant-Leadership, aber auf 5 wesentliche Aspekte reduziert:

  • Hingabe
  • Emotion – Authentisch sein und die eigene Maske herunterreißen.
  • Unterschied – Den kleinen Unterschied im Leben der Anderen machen.
  • Teamwork – Überwindung klassischer Strukturen und dem Team dienen.
  • Entscheidung – Mut zu Entscheidungen und Reflexion.

Hab ich was Neues gelernt dabei? Nein. Aber ich habe einen Impuls bekommen und einen Dreh gefunden, wie ich ein aktuelles Problem lösen kann. Und ich habe eine Verdichtung der Aussagen gelernt, die man wunderbar beim Coaching von Mitarbeitern nutzen kann.

Karl-Heinz Land: „Erde 5.0 – Die Zukunft provozieren“

Karl-Heinz Land sprach über seine Vision der Zukunft – die Erde 5.0. Alles in allem eine sehr ehrliche Sicht auf die Themen Digitalisierung und Transformation.

Einerseits benannte er in aller Konsequenz, wie weit die Digitalisierung gehen wird, aber auch welche Vorzüge die Digitalisierung bringen wird. Also keine Spur der oftmals irrationalen Angst vor einer Zukunft voller Technik. Andererseits scheute er auch nicht davor zurück unausweichliche Veränderungen wie bedingungsloses Grundeinkommen und sinkende Arbeitszeiten als Fakten zu benennen, die man ebenfalls annehmen und umsetzen muss. Auch ein Reizthema wie Dematerialisierung und Sharing-Economy fügt er in ein rundes Bild ein. Sein Buch wird wohl das Einzige sein, dass ich mir kaufen werde.

Runners up

  • Ömer Atiker lieferte einen wunderbaren Eröffnungsvortrag zum Thema Digitalisierung und warum wir keine Angst davor haben sollten. Lustig war, dass auch er die Maslowsche Bedürfnishierarchie um WLAN und Akku ergänzt hat wie schon Nico Lumma auf dem Newscamp.
  • Dr. Med. Ulrich Bauhofer erzählte uns interessante Dinge, wie wir unsere Energiereserven auffüllen können und warum dies so wichtig ist in einer Zeit, wo mehr und mehr Leute ein Burn-out erleiden.
  • Philip Keil sprach über das Leben als Pilot, Decision Points und das es manchmal wichtig ist auf sein Herz zu hören.
  • Suzanne Grieger-Langer sprach über die Motivation von Menschen und Störern in Organisationen. Sie zeigt die Probleme auf, die zwischen dem Homo Sapiens und dem Homo Deus entstehen können und werden. Leider war ihr Vortrag dieses Mal nett und kurzweilig wie immer, aber irgendwie nicht so gut, wie ich es schon erleben durfte.

Die Zahl der Konferenz

Karl-Heinz Land lieferte für mich auch die Zahl der Konferenz. Auf seiner Folie konnte man lesen, dass wir genauso viele Mobilfunkgeräte auf dem Planeten haben wie es Menschen gibt. Nach der Konferenz habe ich das kurz recherchiert und 2018 war es schon mehr Mobilfunkgeräte als es Menschen gibt – 8,2 Milliarden!

Fazit

Alles in allem hat sich der Event gelohnt, ich habe eine Reihe guter Impulse mitgenommen, die ich teilweise unmittelbar auf konkrete Probleme anwenden kann. Ansonsten war es wunderbare Kopf-Zeit, in der man auch mal Themen durchdenken konnte, ohne dass dauernd das Telefon klingelt oder E-Mails eintrudeln.

Eine Anekdote zum Schluss: Da gehst du auf einen Management-Event bei dem es um Digitalisierung und Transformation geht, leider kannst du dort nur mit Bargeld bezahlen. Es gibt noch viel zu tun in diesem Land.

Über den Autor Oliver Andrich

Ich arbeite mit Menschen. Ich entwickle Software. Ich blogge manchmal.

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